Zeitreise – Zurück ins Jahr 1989 – Sven feiert Republiksgeburtstag – StaSi filmt


7. Oktober 1989 – Tag der Republik. Geburtstag der DDR. Unzufriedene Bürger sammelten sich auch an diesem Sonnabend auf dem Markt in #Halle, während unweit die #SED-Parteibonzen den 40. Jahrestag der Republik begingen. Sie wussten genauso wenig wie wir Protestler, dass nur 33 Tage später mit dem Fall der Mauer die DDR zumindest als Staat aufhörte zu existieren. Ich zog damals viel mit Punks und Grufties rum, trug selbst blond gefärbte Haare und Bomberjacke (in der DDR echt rares und schier unbezahlbares Ausstattungsstück in verschiedenen Subkulturen). Dass ich zu jenen mit zählte, verdanke ich meinem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden und der Sehnsucht nach Freiheit, welche schon in der Kindheit durch Fernsehhelden (alles in schwarz-weiss), Winnetou, Daniel Boone, Zorro, Lin Chung (Legendär die Kämpfe mit Linealen in der Unterstufe in den Unterrichtspausen), Sandokan, und Goijko Mitic in all seinen Rollen geprägt wurden. 7 Jahre vorher hätte ich fast mit Goijko in einem Film gespielt. Zumindest war ich mit Frank, einem Spielkumpel von mir, beim Casting. Frank bekam die Rolle. Wer weiss, wie mein Leben anderweitig verlaufen wäre… Zurück zum 7. Oktober 89….

Das Wetter war kühl, Chris und ich gingen zum Markt runter. Telefone gab es so gut wie nicht, man konnte sich nicht spontan mit Anderen verabreden. Es war Wochenende. Republiksgeburtstag. Chris mit frisch rasiertem Irokesen-Haarschnitt, ich streng gescheitelt 😀 – Keiner wusste recht, was passiert, wie weiter. Seit einigen Wochen fuhren wir schon Montag abends nach Leipzig zu den immer größer werdenden Demonstrationen auf dem Ring. WIR SIND DAS VOLK war uns schon ein Schlachtruf geworden… Auf dem Markt an diesem trüben Novemberabend waren nur wenige Hundert Leute. Nicht geschlossen, sondern in einzelnen Gruppen stehend. Abwartend der Dinge, die da kommen… Von der Macht des Volkes, welche man mit Zigtausenden in Leipzig spürte, waren wir auch an diesem Tag in Halle weit entfernt. So hatten es die Einsatzhundertschaften der Greiftrupps der BePo (Bereitschaftspolizei) leicht, sich Leute rauszupicken, auf die LKW mit Plane verfrachtet und in den Ochsen oder die Dreyhauptstraße gefahren wurden… In einer solchen Stimmung entstand dieses Video. Ich war gerade 19 geworden, in einer Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenmonteur (Maschinenschlosser) und wollte mich natürlich nicht greifen lassen. Heute würde ich da nicht mehr so schnell umkehren…

Ein wenig von dieser Zeit wird auch in diesem Zeitungsartikel der Freiheit angerissen:

Zum Komplettartikel über „Henning Weber“ auf der MZ

Sprung, die sogenannte „Wende“ ist nun über ein viertel Jahrhundert her, zum positiven Geändert hat sich wenig. Ja, Bananen gibt es und wir können auch in den Westen reisen. Die, die es sich leisten können. Die Anderen, welche die Wiedervereinigung am liebsten verhindert hätten, die welche sich damals für subkulturell links hielten und mit der StaSi kungelten, weil sie auch die für irgendwie „links“ hielten (O-Ton eines StaSi-IM, der heute immer noch in der „linken“ Szene anerkannt ist) haben sich gut eingerichtet im „verhassten Westen“. Aus den „Bürgerbewegungen“ von damals, die im November 89 längst die Kontrolle über die Massendemos verloren haben, sind „engagierte Demokraten“ geworden. Sie haben es sich bequem gemacht. Über ein diffuses Netz an Vereinen sich das Stück am Kuchen gesichert, Milliarden Vereinsförderung für Nonsens-Vereine zu jeden Themen gegründet, nur um an die vom Schweiss des Steuerzahlers gefüllten Futtertröge zu kommen. Die gleichen, die damals die Wiedervereinigung verhindern wollten, sich aber als DDR-kritisch ausgaben, haben sich mit dem heutigen System arrangiert, sich prostituiert. Und lassen sich jetzt als willige Söldner gegen jede oppositionelle Meinung missbrauchen… Wie lange aber noch? Das entscheidet IHR.


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