Mit diesem Schachzug riskiert Putin alles


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Wobei China genug Greenbacks in den Kellern hat als den Amis lieb ist. Die könnten diese Anleihen auf jeden Fall kaufen.

Russland spielt auf der Weltbühne die Supermacht. Wirtschaftlich aber steht der Staat vor dem Kollaps. Nun versucht Präsident Wladimir Putin die Sanktionen zu umgehen – und riskiert dabei alles.

Es ist ein Wagnis. Eine Alles-oder-nichts-Strategie. Geht der Plan auf, schafft Wladimir Putin nichts weniger, als die Sanktionen des Westens zu umgehen. Scheitert er, ist das ein Eingeständnis der eigenen Ohnmacht. Russlands Präsident stünde blamiert da, vor seinem eigenen Volk, vor der Welt.

Putin versucht nicht nur, mit Bombardements in Syrien offenbar die Stabilität Europas zu gefährden, indem er Menschen in die Flucht schlägt, die dann auf den Kontinent drängen. Er führt noch einen zweiten Kampf gegen den Westen, ohne Flugzeuge und Soldaten: Moskau plant, den Kapitalmarkt anzuzapfen und sich frische Dollar-Devisen zu beschaffen – ein Versuch, das Embargo zu brechen, das Europa und die Vereinigten Staaten vor etwa zwei Jahren verhängt hatten.

Konkret will der Kreml Anleihen im Wert von drei Milliarden Dollar ausgeben. Es soll sich um Schuldtitel mit zehn Jahren Laufzeit handeln. Russland hat nicht nur chinesische Banken eingeladen, bei der Emission mitzubieten – sondern auch europäische und amerikanische. Die Bank of America, die Citigroup, Goldman Sachs, J.P. Morgan und Morgan Stanley. Putin umgarnt die Wallstreet-Giganten.

Sollte die Emission gelingen, wäre das ein Schlag gegen den Westen. Die Sanktionen verbieten es den Banken zwar nicht, bei Auktionen von Anleihen mitzubieten. Dem russischen Staat darf durchaus Geld geliehen werden. Nicht Russland selbst steht auf der Sanktionsliste, nur Geschäfte mit einzelnen Geldhäusern und Unternehmen sind untersagt. Putin könnte also über die Emission Dollar ins Land holen – und dann an jene Firmen weiterleiten, die auf der Sanktionsliste stehen. Die Investmentbanker prüfen die russische Offerte dennoch, allen Warnungen aus Washington zum Trotz.

Für die EU und die USA wäre es ein politisches Fiasko. Westliche Banken, die bei der Finanzierung des russischen Staates mithelfen – ein fatales Signal. Gelingt es den Russen tatsächlich, über diesen Umweg Geld ins Land zu holen, wären die Sanktionen de facto wertlos. Es gäbe kein wirtschaftliches Druckmittel mehr. Putin hätte den Westen genarrt.

Spiel mit dem Feuer

Russland ist auf Dollar dringend angewiesen. Viele russische Unternehmen haben sich in harten Devisen verschuldet. Solange die Ölpreise hoch notierten, war das kein Problem. Die Zinsen ließen sich aus den Einnahmen der Energieverkäufe begleichen. Doch mit den niedrigen Ölpreisen kommen viele Firmen in die Bredouille. Wegen der Sanktionen können sie die tiefen Notierungen nicht durch neue Anleihen ausgleichen. Bedrohlich wird die Lage spätestens 2017. Dann werden zahlreiche Kredite fällig – Geld, das viele Firmen nicht haben.

Putins aggressiver Anleihen-Plan ist deshalb nicht ohne Risiko. Jetzt, wo er so offensiv nach neuem Geld greift, muss er es auch bekommen. Findet die Anleihe nicht genügend Käufer, wird der finanzielle Engpass des flächenmäßig größten Landes der Welt noch offensichtlicher und die Kreditwürdigkeit sinkt ins Bodenlose. Schon jetzt haben die beiden Ratingagenturen Standard & Poor’s sowie Moody’s das Land mit Schrottstatus belegt.

Lediglich Konkurrent Fitch stuft die Bonität Moskaus auf der niedrigsten Investment-Stufe ein. „Wegen des Drucks im Inland muss Putin riskante Manöver wagen“, erklärte der Milliardeninvestor George Soros bereits vor einige Wochen den Wagemut des russischen Präsidenten. Es dränge sich zudem der Verdacht auf, dass Putin mit den westlichen Protagonisten spiele.

Dieses Spiel allerdings ist ein Spiel mit dem Feuer. Und Putin spielt es mit dem Rücken zur Wand. Nicht einmal mehr eineinhalb Jahre Zeit gibt etwa Bill Browder dem Kreml noch. „Sollte es Moskau bis dahin nicht schaffen, die westlichen Sanktionen aus dem Weg zu bekommen, ist das Land am Boden“, sagte der Gründer der Anlagegesellschaft Hermitage Capital Management jüngst auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Russland befände sich in einer prekären Situation. Durch den historischen Verfall des Ölpreises nehme es mit seinem wichtigsten Wirtschaftsgut immer weniger ein, zugleich gingen die Reserven zur Neige.

Strategen schauen deshalb gespannt auf die nächsten Aktionen des russischen Präsidenten und erwarten einen ökonomischen Schachzug. Den vollzieht er jetzt offenbar.

Komplett auf: http://m.welt.de/finanzen/article152706492/Mit-diesem-Schachzug-riskiert-Putin-alles.html

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