Michael Winklers Tageskommentar 12.11.2016


Berichte der deutschen Wahrheitsmedien seien offen unfreundlich sowie antirussisch und trügen zur Verschlechterung der bilateralen Beziehungen bei, rügte Rußlands Vizeaußenminister Wladimir Titow beim Besuch des Staatssekretärs Markus Ederer in Moskau. Man hat also in Moskau die merkelwürdige Berichterstattung in Deutschland zur Kenntnis genommen und darüber sein Mißfallen ausgedrückt. Nun ja, die Russen sollten dafür Verständnis haben, schließlich ist Merkeldeutschland zwar eine Kolonie der USA, aber sie wird nach den Prinzipien der Sowjetunion regiert. Die vormalige FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda, die jetzt im Kanzleramt faulenzt, hat genau dafür gesorgt. Der ehebrecherische Ex-Pfarrer im Schloß Bellevue wäre die Instanz, das durch fortwährendes Einwirken abzustellen, aber der ist erstens als Person keine moralische Instanz, zweitens selbst ein gelernter DDR-Bürger und drittens zu sehr beschäftigt, Deutsche zu beschimpfen.

Wieso ist „Populist“ mittlerweile ein Schimpfwort, mit dem jeder belegt wird, welcher der in höhere Ebenen entschwebten Weisheit der großen Genossin Staatsratsvorsitzenden öffentlich widerspricht? Ja, ich weiß, das Wesen der Demokratie ist schwer zu akzeptieren, wenn sich ein Reporter als Meinungsmacher und nicht als Berichterstatter versteht. In den USA haben wir gerade erlebt, welch desaströse und den Medien widersprechende Ergebnisse die Einführung des Männerwahlrechts geführt hat. Es ist auch völlig idiotisch, wenn in einer Demokratie Leute gewählt werden, die dem Volk das versprechen, was das Volk haben will. Dabei hat das Volk gar kein Recht auf Demokratie und Marktwirtschaft, hat die große Genossin Staatsratsvorsitzende doch schon längst verkündet.

Populisten sind ein Störfall für das Funktionieren der Demokratie. Diese hat eingespielte Mechanismen, die bislang wunderbar funktioniert haben. Da gibt es zunächst einmal die Parteien. Damit sie gewählt werden, stellen sie ein Wahlprogramm auf, in dem sie den Leuten ganz tolle Dinge versprechen. Nach der Wahl werden die Wahlprogramme eingestampft, dann wird Realpolitik betrieben und ein Koalitionsvertrag ausgehandelt. Eine Koalition ist ein Bündnis aus mindestens zwei Parteien, bei dem die beteiligten Parteien Zugeständnisse machen müssen. Dabei offenbart jede Partei der anderen, welche Wahlversprechen sie keinesfalls einzuhalten gedenkt. Die anderen Parteien müssen schließlich wissen, in welchen Punkten sie als Sündenböcke dargestellt werden. Am Ende kommt das heraus, was das Volk ganz und gar nicht haben wollte, aber das Volk interessiert die Parteien einer Demokratie nicht. Wahlversprechen einzuhalten, hieße ja Populismus. Und der stört beim Regieren.

Donald Trumps Wahl läßt die Kurse der Aktien amerikanischer Waffenhersteller abstürzen, melden die Wahrheitsmedien. Natürlich deshalb, weil Trump die Waffengesetze nicht verschärfen will, mithin keine Eile besteht, sich noch vor der Gesetzesänderung einzudecken. Ja, ja, so kann man das auch begründen… Ich bleibe trotzdem der Meinung, daß der militärisch-industrielle Komplex auf Killary und baldigen Krieg gesetzt hatte – und diese Hoffnung sich jetzt zerschlagen hat. An einem einzigen Kampfflugzeug verdienen die Rüstungsfirmen so viel, wie an einer Menge Pistolen und Gewehren, die für einen mittleren Bürgerkrieg ausreichte. Und die Munition, die in einem veritablen Krieg an einem einzigen Tag verballert wird, reichte für alle Schießstände der USA einen ganzen Monat. Ehe mir jetzt jemand vorrechnen will, daß die Soldaten gar nicht so viele Gewehrkugeln verschießen würden: Zur Munition gehören auch jene Kaliber, die nicht auf zivilen Schießbahnen benutzt werden: Artilleriegranaten, Raketen und Bomben. An denen wird zudem viel mehr verdient als an ein paar Kisten Parabellum.

Quelle: michaelwinkler.de (täglich lesen!)

goodmorningtrump


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