Michael Winklers Pranger vom 19.10.


Das Thema des heutigen Artikels habe ich bei meiner Hofastrologin gefunden, Frau Christiane Durer. Die astrologischen Hintergründe werde ich nicht beleuchten, ich klaue bei ihr lediglich den Titel: „Wie lange wird es wohl dauern, bis Deutschland keine Industrienation mehr ist?“

Natürlich lautet die Antwort nicht „30. Mai 2017, 19:57 Uhr“. Der Übergang vollzieht sich schleichend. Die USA hatten 1945 zwei Drittel der Produktionskapazität der ganzen Welt innerhalb ihrer Grenzen, heute sind sie keine Industrienation mehr. Der Erfolgskonzern Apple hat in den USA seine Entwicklungs-, Marketing- und Finanzabteilung, gefertigt werden die teuer verkauften Produkte preiswert in China. An ihren Exporten gemessen, sind die USA ein Agrarland. Das Sinnbild für den Niedergang der US-Industrie ist die Stadt Detroit, die einmal die führende Automobilstadt der Welt gewesen war, mit vielen Fabriken, massenhaft „Blue-Collar-Jobs“ (produzierende Arbeiter), starken Gewerkschaften und hohem Einkommen. Heute sehen Teile der Stadt so aus, als hätte die US-Airforce gerade die Demokratie vorbeigebracht.

Die USA bietet noch „White-Collar-Jobs“ (Angestellte, speziell: Bankangestellte), die Wall Street raubt der Welt zwar Billionen (1.000 Milliarden), aber sie ist kein „Jobmotor“, der Arbeit für Millionen schafft, sondern eher ein Jobvernichter. Bildung ist in den USA nicht nur Mangelware, sondern auch noch kaum zu bezahlen. Die Kenntnisse des Durchschnittsamerikaners in Geographie entsprechen denen einer Angela Merkel, die Berlin auf einer Europakarte irgendwo in Rußland verortet hatte. Nun, Merkel braucht das auch nicht, zum Kanzlerairbus wird sie gefahren, das weitere ist Aufgabe der Piloten.

Bildung ist die Grundvoraussetzung eines Industriestaates. Goethe und Schiller mag man als Zugaben bezeichnen, Lesen, Schreiben und Rechnen sind jedoch unbedingt nötig. Vielleicht mag es gewisse Ideologen befriedigen, wenn Schüler alle Holocaust-Gedenkstätten in hundert Kilometern Umkreis aufzählen können, es wäre jedoch weitaus sinnvoller, wenn Schulabgänger ausbildungsfähig wären. Wenn Abiturienten zwar SMS, aber keine vollständigen Texte mehr schreiben können, wenn Texte, die länger als eine halbe Seite sind, die Aufmerksamkeitsspanne überfordern und für 10% von irgendwas der praktische Taschenrechner im „Smartphone“ bemüht wird, ist das kein gutes Zeichen dafür, daß Deutschland eine Industrienation bleiben wird. Ein Drittel der Abiturienten sind nicht studierfähig, kam kürzlich in den Nachrichten. Das betrifft nicht die „harten“ Fächer, Physik, Mathematik oder Ingenieurwissenschaften, sondern sogar die Schwafelfächer, die Diskussionswissenschaften, die brotlosen Künste Soziologie, Sinologie oder Ägyptologie.

Betrachten wir, welche Neuerungen in den letzten 20 Jahren Einzug in unser Leben gehalten haben, so stoßen wir auf Dinge, die allesamt bereits vor 1950 erfunden worden sind. Natürlich war der Rechner, auf dem ich diesen Text schreibe, damals undenkbar, bei der damaligen Elektronik hätte die ganze Cheopspyramide ausgefüllt werden müssen, um seine Kapazität auch nur im Ansatz zu erreichen. Und doch, der Rechner war schon erfunden. Fernsehen war noch nicht farbig, aber schon längst erfunden. Telephone sind deutlich älter, Funkgeräte hat es auch schon gegeben. Nur waren diese Erfindungen noch nicht zu einem handlichen Gerät zusammengefaßt, das man in die Westentasche stecken kann. Bleiben gerade noch die Satelliten, da wurde der erste 1957 ins Weltall geschossen. Womit? Mit einer Weiterentwicklung der V2, die es schon vor 1950 gegeben hatte. Leider doch nicht so neu, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Die Physik der greifbaren Dinge hat sich in die Gefangenschaft der Relativitätstheorie begeben, die in einem fort „bestätigt“ wird; auf der anderen Seite steht die Quantentheorie. Zwischen diesen beiden Theorien gibt es keine Verbindung, alle Versuche dazu sind bislang gescheitert. Die Formeln beschreiben eine Welt, in der sich die Realität zur abstrakten Mathematik auflöst. Ingenieure bauen heute größere Maschinen, graben Tunnel durch große Berge, lassen riesige Schiffe auf dem Meer schwimmen und Wolkenkratzer in den Himmel wachsen. Aber die Probleme unserer Zeit lösen sie nicht.

Kindern die Bildung vorzuenthalten, ist ein Verbrechen, an den Kindern ebenso wie an der Nachwelt. Höchstleistungen beim Sport setzen Quälerei voraus, ständiges Training, ständige Anstrengung. In den deutschen Schulen ist Anstrengung jedoch nicht mehr erwünscht, den lieben Kleinen soll alles so einfach wie möglich gemacht werden. Lernen, Drill, Fördern und Fordern, das alles soll aus der Schule ferngehalten werden. Kein „Sitzenbleiben“ mehr, keine Noten, Schreiben nach Gehör und Rechnen nach Demokratie, wo über das Ergebnis abgestimmt wird. Wie schön, wenn der Schüler seinen Namen tanzen kann – was ich allenfalls als sportliche Verrenkung erlebe. Aber ich verstehe auch nicht die Malerei eines Herrn Picasso.

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