Merke Flüchtlingsbürgerwehr gut – Inländerbürgerwehr böse


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Flüchtlinge wollen sich selbst schützen

Vor rund einer Woche haben unbekannte Täter einen Pflasterstein auf dieFlüchtlingsunterkunft in Waltershofen, die Oskar-Farny-Halle, geworfen. Eine Jugendliche wurde dabei leicht verletzt. Die Ermittlungen der Polizei dauern an, die Hallenleitung plant weitere Vorsichtsmaßnahmen. Die Flüchtlinge sind bestürzt, kritisieren den Sicherheitsdienst – und wollen sich nun selbst schützen.

Um 22.30 Uhr am Dienstag vergangener Woche ist das Oberlicht, ein Fenster im früheren Geräte- und heutigen Essensraum der Halle, eingeworfen worden. Auch eine Woche nach der Tat gibt es laut Polizei noch keine Hinweise auf die Täter. Die Ermittlungen dauern an.

„Es gibt überall Idioten“

Gegen 23.30 Uhr in der Tatnacht wurde Hallenleiter Walter Widler informiert: „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es hier auch so Idioten gibt. Aber das kann man nicht ausschließen und eine hundertprozentige Sicherheit kann man nirgendwo gewährleisten. Denn Idioten machen sich überall breit“, sagt er.

Knapp zehn Minuten später wurde die Feuerwehr Waltershofen alarmiert. Kurz vor zwölf sind Kommandant Roland Münz und seine Kollegen vor Ort. Sie leisteten „Amtshilfe“, so Münz: Die zerstörte Glasscheibe ersetzten sie durch eine Plexiglasscheibe. Rund 40 Minuten war Münz in der Halle: „Die Situation in der Unterkunft war sehr bedrückt“, erinnert er sich.

Kinder haben geschrien

Armin Kohler ist Leiter des Freundeskreises. Am Morgen nach der Tatnacht erzählt ihm eine Familie von dem Steinwurf. „Mein erster Gedanke: Desaster. Ein Desaster für die Leute, für die Flüchtlinge und ein Desaster für den Ort.“ Ihm wurden Fotos gezeigt. Kinder haben geschrien, die Frauen waren bestürzt und die Männer ratlos, sagte man ihm. Und noch immer hätten die Flüchtlinge Angst, so Kohler – und wollten selbst Vorsorge treffen.

Bilder von Angst und Hoffnung

Nach einer Woche sind die Spuren der Tat beseitigt. Doch der Schreck sitzt nach wie vor tief. Hallenleiter Widler will vergleichbare Taten unbedingt verhindern. In Absprache mit Gemeinde, Landratsamt und Helferkreis wolle man weitere Maßnahmen treffen und Dinge wie Beleuchtung oder Schließtechnik der Türen überarbeiten.

Doch den in der Halle untergebrachten Flüchtlingen reicht das nicht. „Wir sind verunsichert und fühlen und alleingelassen“, erzählt einer von ihnen. Dann deutet er auf zwei Bilder, die seine Frau in der vergangenen Woche gemalt habe und die das ausdrückten, was sie fühlten: Auf dem einen ist eine Halle zu sehen, auf der „Waltershofen-Camp“ steht. Die Halle steht in Flammen. Schreiende, verzweifelte Menschen rennen aus der Halle. Rechts im Bild steht ein Mann im Anzug mit dem Rücken zur Halle, neben ihm ein weiterer. Sprechblasen sind über ihren Köpfen: „Ist irgendetwas hier passiert?“, fragt der eine. „Nein, nichts ist passiert“, antwortet der andere.

„Wir haben Angst“

Das zweite Bild zeigt ein kleines Haus mit Garten und Zaun. Darunter ist zu lesen: „her dream“, „his dream“, „our dream“ – zu deutsch: „ihr Traum“, „sein Traum“, „unser Traum“.

„Wir haben Angst und keinen interessiert es“, sagt ein Flüchtling. „Wir können bis sechs Uhr morgens nicht schlafen, weil wir einen weiteren Angriff fürchten“, ergänzt ein anderer.

Frage der Sicherheit

Nach dem Steinwurf habe die Polizei die Streife erhöht und sei dort jetzt öfter unterwegs, so eine Sprecherin. Von 18 Uhr abends bis sechs Uhr morgens bewacht zudem ein Sicherheitsdienst die Halle. Die Flüchtlinge kritisieren die Sicherheitsmänner, werfen ihnen vor nur in ihrem Raum zu sitzen. Von dem „Gerücht“, dass der Sicherheitsdienst die Anweisungen nicht befolgten, habe er auch vor einigen Tagen erfahren, sagt Kevin Dorsch, Verantwortlicher der Sicherheitsfirma Kahl . Daraufhin habe er erneut eine Dienstanweisung herausgegeben. Waren es vorher zwei Sicherheitsmänner, habe sich die Zahl nach dem Steinwurf erhöht. Aus sicherheitstaktischen Gründe solle die Zahl aber nicht öffentlich gemacht werden, so Dorsch. „Es sind immer Männer in der Halle, während die anderen Streife laufen“, betont er.

Doch die Unsicherheit der Flüchtlinge bleibt. Sie übernähmen nun nachts selbst den Dienst der Sicherheitsmänner und liefen in Zweier- oder Dreier-Gruppen Streife, sagen sie. „Jedes Auto, das draußen zweimal vorbeifährt, wird schon als Gefahr gesehen“, erläutert Armin Kohler. „Das ist eine sehr ungute und auch gefährliche Situation und löst auch bei uns im Helferkreis Unbehagen aus.“

Polizei warnt vor Selbstjustiz

Die Polizei sieht die Streife der Flüchtlinge gelassen. Wie die Sprecherin erklärt, handele es sich ja bei der Streife um keine „Störung“. Vielmehr könnte es sogar sein, dass die Flüchtlinge, die Polizei unterstütze, wenn sie eine Tat beobachteten und diese der Polizei melden. Solange sie nicht in Selbstjustiz handelten, sei die Streife „unschädlich“.


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