Die Absage des Gedenkens in Dresden ist ein Fanal


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Nach langem Kampf von Links und Rechts kapituliert Dresden vor dem Gesinnungsterror und sagt eine Veranstaltung zur Erinnerung an die Zerstörung ab. Stattdessen gibt es eine Weltbeglückungsphrase.

Am 13. Februar 1945 versank Dresden im Feuersturm. Aber eine offizielle Gedenkfeier für die Opfer wird es in diesem Jahr nicht geben. Erstmals verzichtet die Stadt gänzlich auf eine eigene Veranstaltung an jenem Ort, an dem Tausende Bombenopfer begraben liegen: dem Heidefriedhof.

Stattdessen solle der Tag verstärkt genutzt werden, „um für Frieden, Demokratie und Menschenrechte zu werben“, lässt das Rathaus verlauten. Nur die Menschenkette will man beibehalten, mit der schon in vergangenen Jahren ein „Zeichen gegen Rechts“ gesetzt werden sollte.

Viele Dresdner nehmen es mit Enttäuschung und Resignation auf. Sie fühlen sich um die Gedenkkultur gebracht, die sie einst dem SED-Staat mit Mut und Beharrlichkeit abgerungen hatten. Alle Versuche, das Gedenken für die Tagespolitik zu instrumentalisieren, waren damals – nicht zuletzt mit Hilfe der Kirchen – abgewehrt worden.

Dass es einen Tag im Jahr gab, an dem sich Vertreter der Stadt, des Staates, des Militärs und der am Krieg beteiligten Mächte vor der großen Gedenkmauer verneigten, dass sie Kränze niederlegten und die Knie beugten, das war ein Ritual der Buße für unsägliches Unheil, das Politik und Krieg über diese Stadt gebracht hatten.

Dresdens Schmerz als Weltphänomen

Und zudem auch der Abbitte vor der Bevölkerung, die dieses gnadenlose Rachegericht mit dem Verlust geliebter Menschen, mit Verletzungen und Verstümmelungen und mit der Vernichtung ihrer einst so hoch gerühmten Stadt hatte bezahlen müssen.

Mit diesem Ritual stellte sich Dresden in eine Reihe mit allen Städten weltweit, die ein Denkmal für den Unbekannten Soldaten besitzen, mit anderen kriegszerstörten Städten wie Würzburg und Halberstadt, Hiroshima und Nagasaki.

Aber hier wurde es zu mehr: Schmerz und Trauer amalgamierten in diesem Ritual zu einer für die in ihrer Identität fast ausgelöschte Stadt zu einer Ersatzidentität, die den Untergang der eigenen Geschichte und Bedeutung überstehen half – und die robust genug war, allen Versuchen einer Umdeutung zu widerstehen

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