Das Riesengeschäft mit den Flüchtlingswohnungen


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Bis zu 9.000 Euro Miete im Monat kassiert ein Wohnungsbesitzer in Tempelhof möglicherweise, weil er dort Flüchtlinge zu Tagessätzen unterbringt. Die Rechnung zahlt das Land Berlin. Der Hinweis eines Hörers brachte das rbb-Inforadio und „KLARTEXT“ auf die Spur. Von Oliver Soos und Andrea Everwien

Inforadio-Hörer Frank Altenburg besitzt drei Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus in der Tempelhofer Königsstraße. Dort gab es lange Zeit einen Friseursalon in einer Wohnung im Erdgeschoß. Im September vergangenen Jahres hat die Besitzerin den Laden aufgelöst, das Gewerbe abgemeldet und die Wohnung verkauft: 70 Quadratmeter, drei Zimmer, für knapp 100.000 Euro.

Altenburg hat den neuen Eigentümer nie kennengelernt, doch er hat mitbekommen, dass der in der Wohnung offenbar eine nicht genehmigte Flüchtlingsherberge betreibt – ein lukratives Geschäft auf Kosten des Landes Berlin: „Ich fand es völlig in Ordnung, dass dort Flüchtlinge untergebracht werden“, meint Altenburg, „aber absurd, dass Mondpreise bezahlt werden, für Unterkünfte von Flüchtlingen in einem normalen Mietshaus.“ Jeder normale Wohnungsvermieter mache sich strafbar, wenn die Miete 15 Prozent über dem Mietspiegel liege, erklärt Altenburg.

„Der Mann hieß Thomas“

Wir recherchieren und statten der „Flüchtlingswohnung“ in der Königsstraße einen Besuch ab. Vom ehemaligen Friseursalon ist nicht mehr viel zu erkennen. Das große Schaufenster zur Straße ist mit einem Tuch zugehängt.

Ein junger Syrer, Anfang 20, öffnet uns etwas verschlafen und bittet uns herein. Die Wohnung wirkt auf den ersten Blick sauber und gemütlich. In drei geräumigen Zimmern sind insgesamt sechs Flüchtlinge untergebracht. In der winzigen Küche ist in einer Ecke eine Duschkabine eingebaut. Der syrische Flüchtling erzählt, dass er die Wohnung über einen Vermittler gefunden hat: „Der Mann hieß Thomas. Ein Freund von mir kannte ihn. Ich bin zu einem Büro gegangen und habe dort meinen Kostenübernahmeschein abgegeben.“

Der Schein vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) bestätigt, dass das Land Berlin die Kosten für die Unterbringung für ein Hostel beziehungsweise eine Pension übernimmt. „Als ich nach Berlin kam, wurde ich im Lageso gefragt, ob ich ein Flüchtlingsheim bevorzuge oder eine Kostenüberübernahme für ein Hostel. Ich habe mich für die Kostenübernahme entschieden. Thomas hat mich zu dieser Wohnung gebracht und gefragt, ob ich hierbleiben will. Ich habe gesagt: ja, die Wohnung ist sehr gut, hier gibt es nicht so viele Leute.“

In seinem Handy hat der Flüchtling ein Foto des Kostenübernahmescheins gespeichert. Auf diesem steht: „Für eine Notunterbringung in einer gewerblich genehmigten Unterkunft, für bis zu 50 Euro pro Person, pro Tag.“  Der Schein ist ausgestellt vom Lageso für die Unterkunft „Hostel/Pension HeuSa GmbH, im Kratatzer Weg, in 16775 Berlin.“ Diese Adresse ist merkwürdig, denn in Berlin gibt es weder einen Kratatzer Weg, noch eine Postleitzahl, die mit 16… beginnt. Offenbar eine erfundene Adresse.

Im Wohnungsflur hängt ein Zettel, auf dem die wahre Adresse der HeuSa GmbH steht: Kraatzer Weg, in 16775 Gransee. Also Brandenburg. Dann wäre das Berliner Lageso gar nicht zuständig. Vielleicht deshalb die erfundene Adresse.

Komplette Geschichte auf RB-Online


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